Entscheidungen treffen zeit online

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  1. Entscheidung: Bauch oder Kopf? | ZEIT Campus
  2. Entscheiden unter Stress
  3. Die Entscheidung lieben

So viele Studiengänge hat die Hochschulrektorenkonferenz im letzten Wintersemester in Deutschland gezählt. Niemand informiert sich ernsthaft über Wer früher zum Beispiel BWL gewählt hätte, ein Fach, das in so gut wie jeder Hochschulstadt angeboten wurde und das fast überall denselben Namen trug, muss sich heute schon vor dem Bachelor entscheiden: Oder International Business Management?

Entscheidung: Bauch oder Kopf? | ZEIT Campus

Wer sich dann noch verliebt treu bleiben oder offen? Monogam leben? Das Studium ist die entscheidungsreichste Zeit des Lebens. Und jede Entscheidung, so ist das wohl bei den meisten Menschen, ist verbunden mit der Angst, eine falsche Wahl zu treffen — und das Beste im Leben zu verpassen.

Kann man dem entkommen?

Erstens: Das Problem erkennen

Man kann. Ein Fluchtplan in vier Schritten. Mehr Auswahl bedeutet mehr Freiheit. Wahr oder falsch?

Entscheiden unter Stress

Barry Schwartz tippt, dass die meisten bei dieser Frage "wahr" wählen. Dass er damit recht haben könnte, zeigt sich unter anderem an den Hochschulen. Bis Studienanfänger sich nun zwischen Ist das noch Freiheit? Oder ist das schon eine Frechheit? Statt uns zu befreien, so schreibt er, lähme sie uns. Es gibt Experimente, die zeigen: Selbst wenn man sich für eine von vielen Möglichkeiten entschieden habe, so argumentiert der Psychologe, sei man damit oft unzufrieden.

Denn mit der Anzahl der Optionen steigen auch die Ansprüche. Wenn es nur eine Jeans im Laden gibt, gut, dann muss man damit leben, dass sie nicht besonders gut sitzt. Wenn es aber Hunderte Modelle gibt, super slim und relaxed fit, low cut und high waist, und zwei oder drei sitzen ziemlich gut — dann nervt das trotzdem, weil es doch verdammt noch mal eine Hose geben müsste, die perfekt ist.

Doch die beiden wurden ein Paar — das sollte allerdings noch zehn Jahre dauern. Die Partnerwahl zeigt, wie stark die Biologie manche Entscheidungen im Leben steuern kann. Zwar ist Liebe eine komplizierte Angelegenheit, die man nicht auf Gene und Hormone reduzieren kann. Erschreckend oberflächlich wirken die Merkmale, anhand derer wir einen potenziellen Partner aus der Menge picken.

Unbewusst prüfen wir mögliche Partner immer noch auf ihre Eignung, gesunden Nachwuchs zu zeugen.


  1. Bildrechte auf dieser Seite.
  2. Sich gegenseitig verhindern.
  3. Soll ich auf den Bauch oder auf den Kopf hören?.
  4. viel spaß beim kennenlernen;

Beiden Geschlechtern ist Symmetrie von Körper und Gesicht wichtig; sie deutet auf ein intaktes Erbgut hin. Rücken wir dem optisch vorsortierten Wesen näher, kommt die Biochemie ins Spiel. Wenn Eltern eine vielfältige Genmischung vererben, ist das für die Kinder von Vorteil. Meist laufen solche Entscheidungen unbewusst ab. Stephanie Wagner allerdings hat ihren Kurzzeit-Mitbewohner Mark ganz bewusst beschnuppert.

Doch das allein entscheidet natürlich nicht über eine Beziehung.

Stephanie hatte damals einen Freund, dann war Mark vergeben; die beiden verloren sich aus den Augen. Sie filterte aus Dutzenden Studien vier Persönlichkeitstypen heraus, deren Hirn jeweils von einem Botenstoff besonders geprägt wird: Dann ordnete sie Anführer und Vermittler fühlten sich zueinander hingezogen, Forscher und Gründer zu ihresgleichen.

Fisher vermutet, dass auf diese Weise gute Elternteams zusammenfinden. Anfang dieses Jahres haben sie sich über Facebook wiedergefunden, da waren endlich beide frei. Jetzt sind sie ein Paar. Farbe, Kilometerstand, Kofferraumvolumen, Beinfreiheit, Benzinverbrauch, Schiebedach ja oder nein, Getränkedosenhalter vorhanden oder nicht — der Kauf eines Gebrauchtwagens kann zur Qual werden. Gerade bei teuren Anschaffungen wollen wir alles beachten und rational entscheiden.

Die Entscheidung lieben

Doch das ist oft gar nicht möglich. Dieses Auto erscheint uns besonders sicher, weil der Vater die Marke fuhr. Mit jenem könnte man den Nachbarn beeindrucken. Und beim dritten ist uns schlicht der Verkäufer sympathisch. Begrenzte Rationalität nennen das die Wirtschaftsforscher. Zudem planen wir zwei Drittel der Kaufentscheidungen gar nicht, sondern treffen sie spontan.

Das macht uns anfällig für Manipulation. Im Restaurant etwa geben wir mehr Geld aus, wenn in der Nähe für Kreditkarten geworben wird — weil uns so das Gefühl vermittelt wird, genug Geld zu haben. Und im Supermarkt verleitet ein sorgfältig durchdachter Parcours zum Geldausgeben. Die Bremszone am Eingang drosselt unsere Geschwindigkeit, die Theke mit frischem Gemüse soll uns oft in den Laden locken, die Präsentation auf Augenhöhe auf seltener gebrauchte Produkte aufmerksam machen für die Dinge, die wir häufig benötigen, bücken und strecken wir uns ohnehin , auffällige Preisschilder lassen Schnäppchen vermuten auch wenn sie den normalen Preis anzeigen , Chansons verführen uns, französischen statt deutschen Wein zu kaufen.

Auch dass wir durch viele Supermärkte gegen den Uhrzeigersinn geschleust werden, ist kein Zufall: Die schiere Masse an Produkten — in deutschen Supermärkten sind es Kunden, die in einem Experiment 24 Sorten Marmelade probieren durften, kauften weniger als solche, die nur sechs testeten. Und sie waren obendrein unzufriedener. Das erklärt der Psychologe Barry Schwartz so: Kann man unter vielen Möglichkeiten wählen, hat man immer das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben.

Weniger ist also oft mehr. Das gilt auch für die Zahl der Kriterien bei komplizierteren Entscheidungen wie dem Autokauf. Der Bildungsforscher Gerd Gigerenzer hat in mehreren Studien nachgewiesen, dass umfassende Information eher stört, als dass sie nutzt. Mit Faustregeln — wissenschaftlich: Heuristiken — entscheiden wir nicht nur schneller, sondern oft auch besser. So hilft es, sich auf wenige Merkmale zu konzentrieren, sich an Vertrauenspersonen zu orientieren und nur so lange zu suchen, bis man eine Lösung gefunden hat, die gut genug ist, wenn auch nicht die beste.

Stimmte etwas mit einem bekannten Produkt nicht, hätte man sicher davon gehört. Marken sind so gesehen nichts anderes als Heuristiken.

Und Gefühle, meint Gigerenzer, führten uns nicht grundsätzlich in die Irre, im Gegenteil: Sie seien konzentriertes Wissen, vom Unbewussten aus Informationen destilliert. Dass wir gut damit fahren, komplexe Entscheidungen wie den Autokauf zum Teil unserem Unbewussten zu überlassen, zeigte der niederländische Psychologe Ap Dijksterhuis. Er präsentierte Testpersonen Merkmale zu vier fiktiven Automarken. Danach durfte ein Teil der Probanden vier Minuten lang überlegen, die anderen sollten Buchstabenrätsel lösen.

Bei einfachen Entscheidungen mit nur vier Merkmalen trafen die Denker häufiger die beste Wahl — bei komplizierten mit zwölf Merkmalen aber schnitten die Abgelenkten besser ab. Der Grund: Das Arbeitsgedächtnis ist schnell überlastet, das Unbewusste dagegen kann weit mehr Informationen verarbeiten. Wenn man aber länger als vier Minuten für den Autokauf Zeit habe, sei längeres Nachdenken durchaus sinnvoll, betont der Hirnforscher Gerhard Roth.

Das Bewusstsein könne dann als Beraterstab agieren und das Problem so portionieren, dass es für das Unbewusste verdaulich wird. Die entsprechende Heuristik nutzen die meisten längst: Eigentlich wollte Christine Thordsen Tierärztin werden. Zwei Jahre lang wartete sie auf den Studienplatz, doch als endlich die Zusage kam, traf sie eine andere Entscheidung. Kurz bevor das Studium anfangen sollte, begann die heute Jährige in der Firma ihres Vaters zu jobben: Für die Arbeit in der Spedition hatte sie sich bis dahin nie wirklich interessiert.

Doch das änderte sich binnen weniger Wochen. Statt Hunde und Katzen zu kurieren, teilt sie sich jetzt mit ihrem Vater die Geschäftsführung des Familienunternehmens. Demnach wollen 55 Prozent die elterliche Firma übernehmen.


  • camping bekanntschaften;
  • Entscheidungen muss man schnell treffen.
  • Den Partner aussuchen.
  • nüchtern flirten;
  • Den Partner aussuchen.
  • Viertens: Die Entscheidung lieben.
  • mein mann flirtet mit arbeitskollegin;
  • Ist das wirklich eine eigene Entscheidung oder doch die Folge von subtiler Einflussnahme durch die Familie? Christine Thordsen hatte früher ein eigenes Kinderzimmer im Büro der Eltern und hat mit den Kindern von japanischen Geschäftspartnern gespielt. Ihre ganze Jugend über war die Firma oft Thema am Frühstückstisch.